 |
Chronik einer Kolik
Die genauen Ursachen dieser Symptomatik, unter der bis zu 15% aller Säuglinge in den ersten drei Lebensmonaten
leiden sollen, sind zwar unbekannt. Es gibt jedoch verschiedene Lösungswege, damit Kind und Eltern diese schwierige Zeit so gut wie möglich über-stehen.
orgens ist Ihr kleiner Spross noch ganz entzückend. Doch auf einmal – meist gegen
Nachmittag oder Abend – ver-wandelt sich der goldige Knirps in ein schreiendes, zappelndes und nicht zu tröstendes Baby. Dabei wurde er doch gewickelt und gefüttert … Zur Beruhigung geben Sie ihm gleich noch einmal die Brust oder ein Milchfläschchen.
Das ist zwar gut gemeint, entpuppt sich jedoch als Fehler : denn diese zusätzliche Nahrungszufuhr verschlimmert das Problem nur, wenn Ihr Säugling unter Koliken leidet.
« Je mehr Symptome einer Kolik
vorliegen, desto wichtiger sind die Abstände zwischen dem Stillen bzw. Fläschchen », erklärt Dr. François Clément, Kinderarzt aus Ecublens.
Wie sehen denn die charakteristischen Symptome einer Kolik aus ?
Einerseits wiederholtes Weinen, häufig in der zweiten Tageshälfte, während am nächsten Morgen alles wieder vergessen scheint. Das ist natürlich
beruhigend, ebenso wie der gute Allgemeinzustand des Babys. Andererseits kann man Koliken beim Säugling leicht erkennen : er krümmt sich, scheint Krämpfe zu haben, hat einen aufgeblähten Bauch und lässt viel Luft ab.
Was sind die Auslöser für solche Koliken ?
Das ist bis heute rätselhaft. Momentan
gibt es noch keine physiopathologische
Erklärung für Koliken, die ab der 2. Lebenswoche auftreten können und nach ca. 3 Monaten genauso schnell und ohne Folgen wieder verschwinden. Es wurden schon viele Untersuchungen zu diesem
Thema durchgeführt, allerdings ohne wirklich schlüssige Ergebnisse. Möglicherweise spielt ein Bakterienbefall
eine Rolle. Doch das ist nur eine Hypothese unter vielen – nicht zuletzt jener, die (zu Unrecht) der Milch die Schuld gibt.
Einige Fachleute sind der Meinung, die Koliken seien die zeitverzögerte Folge eines Leidens der Mutter während der Schwangerschaft.
Nein, derartige Schlussfolgerungen sind wirklich übertrieben. Allerdings gibt es sehr wohl eine Möglichkeit, um auf das Weinen des Kindes und den möglichen Spiegeleffekt zu re-
agieren : je mehr das Kind weint, desto gestresster reagieren die Eltern – und desto mehr weint wiederum das Kind, das diesen Stress spürt … ein wahrer Teufelskreis also.
Verschreiben Sie bei Koliken Medikamente ?
Normalerweise nicht, ausser das Kind hat starke Blähungen. Zunächst wird man den Eltern die Symptomatik
erklären und sie beruhigen. Man empfiehlt ihnen, auf den Rhythmus bei den Mahlzeiten zu achten, um ein Überfüttern zu vermeiden, Pausen
zwischen den Mahlzeiten einzuhalten
und das Baby aufstossen zu lassen (« Bäuerchen machen »), damit es nicht zu viel Luft schluckt. Wird das Kleine mit dem Fläschchen gefüttert, wird man die Wahl eines Modells in gebogener Form und die Beachtung der Saugergrösse empfehlen.
Schliesslich kann man durch genaues Beobachten des Babys beim Trinken feststellen, ob es zu hastig trinkt und sich dabei fast verschluckt, wodurch das Risiko des Luftschluckens
natürlich erhöht wird.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen ?
Wenn sich der Allgemeinzustand des Kindes verändert, es an Durchfall,
Unwohlsein oder Aufstossen lange nach den Mahlzeiten leidet, sollte man zum Arzt gehen, da es sich dann wahrscheinlich nicht um Koliken handelt.
Wie kann man den ganz Kleinen bei Koliken helfen ?
Um ein Baby zu beruhigen, kann man es auf den Arm nehmen, es in einem Bauchgurt tragen, ihm den Bauch massieren, ihm sanfte Musik vorspielen, es im Kinderwagen oder Auto spazieren fahren, eine warme Wärmeflasche auf den Bauch legen (direkten Hautkontakt vermeiden), es baden, und versuchsweise etwas Fencheltee ins Fläschchen geben.
|