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Milch – nicht immer
ganz so
harmlos
Das für Säuglinge unerlässliche Nahrungsmittel
Milch wird leider nicht von jedem Organismus gleich
gut vertragen. Ein kleiner Überblick über das
Marktangebot und die Möglichkeiten zur Vorbeugung
von Kalziummangel.
Als Lucie begann, ihr Neugeborenes
zu stillen, war sie
fest davon überzeugt, ihm
das Beste zu geben. Doch der kleine
Basile vertrug die Milch von Anfang
an nicht gut. Erbrechen nach dem
Stillen und starker Durchfall deuteten
auf eine Allergie gegen tierische
Eiweisse hin, die seine Mutter zu
sich genommen hatte. Der Kleine
musste aufstossen (Reflux), sobald
seine Mutter Kuhmilch bzw. Milchprodukte
konsumiert hatte. Wann
besteht der Verdacht auf diese bei
Säuglingen am weitesten verbreitete
Unverträglichkeit und was kann man
dagegen unternehmen ? Wir sprachen
mit dem Lausanner Kinderarzt
und Allergologen Bernard Pelet.
babymag.ch : Deuten Erbrechen
oder Ausschlag beim Baby
automatisch auf eine
Kuhmilchallergie hin ?
Bernard Pelet : Nein, aber der Verdacht
liegt nahe. Bei gleichzeitig
auftretenden Verdauungsstörungen
(Koliken, Erbrechen oder Durchfall)
und Haut- bzw. Atemstörungen
(Nesselausschlag oder Ekzem bzw.
Nasenschleimhautentzündung oder
asthmatische Bronchitis) oder sogar
einer anaphylaktischen Reaktion
liegt die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie
quasi auf der Hand.
Und da die Mutter- bzw. die Ersatzmilch
die einzige Nahrungsquelle des
Neugeborenen ist, fällt der Verdacht
auf tierisches Eiweiss.
Ab welchem Alter können
Kinder betroffen sein ?
Ab der Geburt, da die Reaktionen
manchmal auch auftreten können, wenn die stillende Mutter Milchprodukte
zu sich nimmt.
Muss sie also das Stillen
einstellen ?
Auf keinen Fall, allerdings sollte die
stillende Mutter auf sämtliche Milchprodukte
verzichten. Kann nicht
gestillt werden, dann sollte man die
Muttermilch durch eine sogenannte
HA-Milch (hypoallergen) oder aber
durch eine komplett tiereiweissfreie
(hydrolisierte) Milch ersetzen. Dabei
sollte man möglichst frühzeitig mit
dieser Milch beginnen, da sie einen
ziemlich scheusslichen Schwefelgeschmack
hat… Manche Neugeborenen
gewöhnen sich sehr gut daran.
Kann man es denn nicht mit
anderen Milcharten, wie etwa
Ziegen-, Schaf-, Eselinnen- oder
Sojamilch versuchen ? Oder mit
Mandel- oder Reismilch ?
Sie können es mit Ziegen-, Eselinnen-
oder Stutenmilch probieren,
aber in den meisten Fällen treten die
allergischen Reaktionen nach rund 14
Tagen wieder auf. Kinder mit einer
Kuhmilchallergie reagieren auch auf
das Milcheiweiss anderer Säugetiere
sowie auf Sojamilch allergisch. Reisoder
Mandelmilch hingegen sind für
die Bedürfnisse des Kindes völlig
unzureichend… im Prinzip handelt
es sich dabei nur um einige Cerealien
und Wasser ! In diesem Fall sollte
man lieber mit einer Ernährungsberaterin
einen Ernährungsplan ausarbeiten.
Können Eltern eine
Kuhmilchunverträglichkeit auf
ihr Kind übertragen ?
Bei Allergien gilt : bei einem Kind mit
einem allergischen Elternteil besteht
ein 40%iges Risiko, ebenfalls allergisch
zu reagieren. Sind beide Eltern
betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit
bei 70%.
Bleibt ein Kind sein ganzes
Leben lang gegen Milch
allergisch ?
Nein, in den meisten Fällen verschwindet
die Allergie im Alter von
rund 2 Jahren. Allerdings können
danach andere Allergien, wie beispielsweise
gegen gewisse Blütenpollen
oder Milben, um nur einige
zu nennen, auftreten. |