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Zusammen spielen kann man lernen
In einer Spielgruppe sitzen die Mütter gemeinsam um
einen Tisch, während die Kinder spielen. Die Mutti des
3-jährigen Marco erzählt gerade, was ihr bei ihrem Sohn
gerade Sorgen bereitet.
«Mein Sohn schlägt die anderen
Kinder, er wird aggressiv, das macht
mir Angst und ich weiss nicht, wie ich
auf sein Verhalten reagieren soll. Im
Normalfall halte ich ihn an den Armen
fest und sage ihm mit Bestimmtheit,
dass er nicht schlagen darf. Ich bin mir
schon bewusst, dass dieses Verhalten
auch bei mir Aggressivität auslöst… es
ist ein Teufelskreis».
Wir beobachten Marco, wie
er ruhig spielt, und beschreiben,
was wir konkret sehen. «Es stimmt,
meine ganze Konzentration gilt nur
den Schlägen, weil ich dadurch immer
unruhig bin, und ich vergesse dabei
manchmal, dass er auch ganz anders
sein kann. Das Problem ist, dass er
nicht nur schlägt, wenn ein Kind
ihm sein Spielzeug wegnehmen will,
sondern einfach so. Angefangen hat
das, seitdem er in den Kindergarten
geht».
Marco lernt gerade, wie er in
Kontakt mit den anderen Kindern
kommen und diesen pflegen kann.
Anscheinend hat er eine Strategie
gefunden, um sich zu verteidigen, oder
einfach nur um zu kommunizieren.
Was kann man nun tun, damit er in
seiner Kommunikationsfähigkeit
vorankommt und sein Schlagen
durch Worte ersetzt? Genau das ist
die Frage, die die Mutter formuliert.
Just in diesem Moment kommt es
zu einer konkreten Übungssituation.
Ein Junge steht in Marcos Nähe und
interessiert sich für eine Schaukel
in Mondform. Marco haut ihn. Die
Gruppenbetreuerin schlägt den Einsatz
folgender Regel vor: «Ich schlage nicht,
wie fragt man?» Marco zeigt Interesse
für das Spiel seines Kameraden.
«Möchtest du mit dem Mond spielen?»
Denn in diesem Moment steigt Kevin
auf den Mond. Die beiden Kinder
schauen sich interessiert an. «Darf ich
zu dir aufsteigen? Du kannst Kevin
fragen». Kevin sagt ja, als Marco fragt:
«Kann ich?», und alle sind überrascht,
dass der Mond so viel Platz bietet. Nun
nähert sich ein drittes Kind und zeigt
ebenfalls Interesse. Und schon sitzen
sie zu dritt auf der Schaukel. Marcos
Mutter ist sichtlich ergriffen, ihren Sohn
glücklich und zwischen zwei anderen
Kindern spielen zu sehen. Die Muttis
schiessen Fotos mit Ihren Natels.
Zusammen spielen ist nicht
angeboren. Kinder müssen beim
Erlernen dieses Verhaltens Schritt für
Schritt begleitet werden, anstatt sie zu
verurteilen («er/sie ist aggressiv»).
Dieses Verurteilen ist ein natürliches
Verhalten, das wir als Eltern alle
haben. Die Mutter im geschilderten
Fall war sehr glücklich, ihr gefälltes
Urteil widerlegt zu sehen. «Jetzt
nehme ich meinen Sohn als 3-jähriges
Kind wahr, das gerade lernt, mit
anderen Kindern zu spielen».
Das Team von der Familienbegleitung,
Fribourg www.educationfamiliale.ch;
Tel: 026 321 48 70
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