Mit Musik gross werden


Musik im Alter von 5 Monaten entdecken ? Genau das beabsichtigt die musikalische Früherziehung, die Kleinkinder und ihre Eltern zum Tanzen, Singen und rhythmischen Händeklatschen anregen will. Ein Situa-tionsbericht aus Genf, wo immer mehr dieser neuartigen Kurse angeboten werden.


igentlich liegt es ja auf der Hand : alle Babys schaukeln beim Erklingen eines Wiegenlieds mit oder lächeln glücklich und steuern ihre Töne und Bewegungen bei, wenn man « Alle meine Entchen » oder « Hoppe hoppe Reiter » singt. Schon mit wenigen Monaten können Babys brabbeln, Laute vokalisieren und summen … lange bevor sie das erste Mal « Mama » sagen. Genau dieses spielerische Vergnügen möchte Nadine Sabev bewahren und in ihren musikalischen Früh- erziehungskursen für Kleinkinder ab 18 Monaten in der Musikschule Savoir et bien-être in Genf weitergeben.

Mit einer kleinen Einschränkung : sie will den Kindern, vor allem aber ihren Eltern eine klare musikalische Struktur und eine ernsthafte musikalische Basis anbieten. Die 45 Minuten dieser Eltern-Kinder-Kurse beginnen mit einem Abzählreim zur Begrüssung, gefolgt von kleinen Einlagen mit Xylophon, Percussion-Instrumenten bzw. sogar dem ersten Saitenzupfen an einer kleinen Gitarre.

Ringelreihen zu zweit oder zu viert, Zügli-Spiel, Gigues (Fiedeln) oder auch Reifen-springen … die Kleinen sind viel in Bewegung – und werden dabei immer von Musik begleitet, denn die Rhythmik nach Jaques Dalcroze spielt eine wichtige Rolle in den Kursen. Dabei gibt es natürlich unzählige Methoden, um Rhythmus und Musik zu entdecken. Wollen die Eltern ihre Sprösslinge hier etwa zu kleinen zukünf- tigen Mozarts machen ? Nadine Sabev glaubt das nicht. « Ich sehe vielmehr Eltern, die eine Form der Kommunikation mit ihrem Kind entwickeln möchten. » Oder die unglaublichen Spass daran haben, sich mit ihrer Tochter, die noch kein Wort sprechen kann, durch gegenseitiges Ant- worten auf Percussion-Instrumenten zu « unterhalten ». Und die Eltern sollten, wie die Mitbegründerin von Savoir et bien-être anmerkt, etwaige weitergehende Ansprüche gleich an der Türe der Schule abgeben.

Denn musikalische Früherziehung soll einfach nur Spass und sanftes Lernen sein, quasi die Vermittlung musikalischer Grundlagen, ohne dass die Kinder dies bewusst mitbekommen. Die Eltern wiederum tragen ihren Teil dazu bei, indem sie im Kurs Tänze und Lieder lernen, die sie zuhause einfach wiederholen können.


Musikalische Wiege

Für Nadine Sabev dient der Einstieg in die Musik vor dem Alter von 18 Monaten eher der psychomotorischen Entwicklung als dem Erlernen von Tonleitern. Allerdings ist das illustre Genfer Institut Emile Jaques Dalcroze hier anderer Meinung und zielt auf ein noch jüngeres Publikum ab. Nach den Sommerferien startet Marine Roh, die Dekanin für die Rhythmikkurse, auf vielfachen Wunsch drei neue Kurse für 5-12- Monatige, 1-2-Jährige und 2-3- Jährige (früher begannen die Schüler in vielen Musikschulen und Konservatorien, u.a. auch bei der Willems-Methode, frühestens mit 4 oder 5 Jahren mit dem Musik-unterricht). Auf der Grundlage von Schlafliedern, Ringelreihen und Abzählreimen werden die Stunden für die Neugeborenen mit kleinen Schlaginstrumenten und neuen, von den Lehrern des Instituts entwickelten Melodien gestaltet … zunächst erst einmal in den Armen von Mama oder Papa oder einem anderen Familienmitglied und nicht in denen einer Nanny. « Dieser Punkt ist von grösster Bedeutung, erläutert Marine Roh, denn musikalische Früherziehung hat sehr viel mit Berührung und Zuneigung zu tun. » Ob in einem Kurs oder zuhause – musikalische Früherziehung macht den Kleinen Spass, und sie entdecken und erkunden ganz spontan die Dimensionen ihrer Klangwelt. In Genf, der Stadt am Ende des gleichnamigen Sees, die auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle spielt, bietet Espace musical eine Reihe mit dem Titel « Oreilles en tendresse » an, in der sich Lieder, Abzählreime, Instrumentenklänge und Mundgeräusche abwechseln. Und so spielt das Kind auf seinem ersten Instrument : dem eigenen Körper. Der weitere Weg kann sich dann als durchaus fruchtbar erweisen, stellen die Musikschulen und –institute doch fest, dass die meisten Knirpse aus der musikalischen Früherziehung im Alter von ungefähr 4 Jahren mit dem Musikunterricht beginnen.

Erste Schritte mit Musik

Zuhause können Sie Musik hören, sobald das Baby da ist; Sie sollten dabei jedoch unbedingt aggressive Laute vermeiden. Sie können mit Ihrem Baby ab den ersten Lebensmonaten regelmässig singen, in die Hände klatschen, Schlaflieder und Abzählreime mit den entsprechenden Handbewegungen untermalen. Falls es Ihnen an Ideen oder am Repertoire fehlt : es gibt eine riesige Auswahl an Musik-CDs mit den berühmtesten Melodien – Eins, zwei, drei, ritsche, ratsche, rei, Es hockt e Chrott im Chämmerli … und viele mehr – manchmal sogar mit den entsprechenden Handbewegungen oder gar in Englisch gesungen. Abzählverse und Fingerspiele mit Rémi oder Les plus belles berceuses du monde, um nur einige Beispiele zu nennen, nicht zu vergessen natürlich die immer aktuellen Minicroche von Marie Henchoz oder auch Kasperle.

mit musik gross werden
Text : Marie Lenoir – Foto : Christopher Black

Weitere Infos auf :

www.espace-musical.com
www.dalcroze.ch
www.savoiretbien-etre.com