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Ihr Kleines hat eine Ohrenentzündung nach der anderen? Soll man eine Spülung oder eine Operation in Betracht ziehen? Was lässt sich gegen diese Entzündungen am besten tun? Antworten unter Beizug eines HNOSpezialisten.


Bis sechs Monate haben Babys nur selten Ohrenentzündungen, da sie durch die mütterlichen Abwehrstoffe geschützt sind. Erst danach kann die Sache arg werden. Nathan, 19 Monate, leidet immer wieder an Otitis. Die ersten Anzeichen dafür? Er hustet, seine Nase läuft, er isst nicht recht und statt fröhlich zu sein, wie üblich, wird er verdriesslich. Alles begleitet von leichtem Fieber und manchmal auch Erbrechen oder Durchfall – die klassischen Symptome einer viralen Rhinopharingitis. Hinzu kommen unruhige Nächte, wenn Nathan weinend aufwacht und sich das Ohr zuhält. Auch ohne Worte ist dann klar, dass es sich um eine Otitis handelt. Zwar ist Nathans Mutter, Amélie, durch sein Weinen beunruhigt, aber sie weiss, dass man die Wirkung der entzündungshemmenden Mittel abwarten muss, bevor er ruhiger wird. Der Kleine, dessen Schmerzen nun gedämpft sind, verhält sich zum Leidwesen von Amélie aber wie ein Nachwandler – an Schlaf ist nicht zu denken. Ohrenentzündungen heisst also Schmerzen für die Kleinen und durchgewachte Nächte für die Grossen. Die Eltern sind tatsächlich stark betroffen, denn in der Schweiz haben 80% der Dreijährigen mindestens eine akute Otitis durchgemacht und 50% der Kinder mindestens deren drei in den drei ersten Lebensjahren – dies die Daten von Dr. François Waridel, HNO-Facharzt in Lausanne. Später können die Eltern wieder besser schlafen, denn «ab dem Alter von drei Jahren nimmt die Häufigkeit von Ohrenentzündungen langsam ab, obwohl sie bis zu einem Alter von sechs bis sieben Jahren auftreten können.»

Wie unterscheidet man eine seröse Otitis von einer akuten Otitis? Die seröse Otitis ist eine Entzündung des Mittelohres ohne akute Infektion. Deshalb kommt es weder zu Fieber noch zu einer Veränderung des Allgemeinzustandes, das Kind ist nicht gereizt, es ist ihm nicht übel und es erbricht nicht, wie dies bei der akuten Otitis der Fall ist.

Welche Behandlung ist bei einer erstmaligen akuten Otitis angesagt? Dies hängt vom Alter des Kindes ab und von den allgemeinen Symptomen. Bei Kindern über zwei Jahren werden in der Regel entzündungshemmende Medikamente sowie abschwellende Mittel für die Nase verabreicht. Unter zwei Jahren und bei Vorliegen von Allgemeinsymptomen wird eine Kombination von Antibiotikatherapie und symptomatischer Behandlung gewählt, die das Unwohlsein und den fiebrigen Zustand bekämpfen sollen.

Ist bei Rückfällen die Gabe von Antibiotika die einzige gute Lösung? Ja, auch bei Fehlen von Allgemeinsymptomen, Fieber oder Übelkeit sind Antibiotika bei unter zweijährigen Kindern das Mittel der Wahl. Ein Kind mit wiederholten Ohrenentzündungen – ein Grund zur Sorge? Für über Zweijährige sind drei Ohrenentzündungen pro Jahr akzeptabel. Treten sie häufiger auf, so sollte ein Facharzt aufgesucht werden, um eine Erkrankung im HNO-Bereich auszuschliessen.

Und was ist mit den ganz Kleinen? Auch wenn Ohrenentzündungen häufig auftreten, muss dies noch nicht anormal sein, denn es gilt zu bedenken, dass das Immunsystem der ganz Kleinen noch nicht ausgereift und die Eustachische Röhre noch nicht voll ausgebildet ist, was Infektionen begünstigt.

Was empfehlen Sie bei unzähligen Rückfällen? Handelt es sich um akute Mittelohrenentzündungen, so ist bei über Zweijährigen ein Eingriff sinnvoll und wirksam. Man greift auch bei jüngeren Kindern ein, wenn wiederholte Infektionen nicht ausheilen, um Spätfolgen zu vermeiden. In solchen Fällen sind das Absaugen des Exsudats und eine Parazentese (Flüssigkeitspunktion mit Hilfe eines feinen Röhrchens) in 85% der Fälle erfolgreich.

Und in den 15% der verbleibenden Fälle mit wiederholten Ohrenentzündungen? In diesen Fällen wird eine Paukendrainage in Betracht gezogen. Dabei wird kleiner Schnitt ins Trommelfell gemacht und ein kleines Silikonröhrchen in den Schnitt gelegt, um das Mittelohr zu belüften. Dieser harmlose Eingriff erfolgt in der Regel ambulant unter Vollnarkose und führt weder zu Schmerzen nach der Operation noch zu langfristigen Problemen.

Eine finnische Studie hat gezeigt, dass Kinder, die während sechs Monaten keinen Schnuller haben, weniger häufig Ohrenentzündungen entwickeln. Ist dies auch Ihre Erfahrung? Ich habe bei meinen eigenen Patienten keine solche Daten erhoben. Die Studien zum Thema sind aber verlässlich und der Schnuller kann das Risiko einer Ohrenentzündung effektiv erhöhen, da die Saugbewegungen beim Liegen das Aufsteigen von Keimen begünstigen könnten.

Welches sind die Gefahren einer schlecht behandelten Otitis? Eine falsch behandelte Otitis kann zu einem raschen und stärkeren Rückfall führen und das Hörsystem des Kindes schädigen. Eine sekretorische, dauerhafte Ohrenentzündung kann auch Auswirkungen auf die Sprachentwicklung haben.

Ist Ihrer Meinung nach die «Immunverstärkung » im Alter von drei Monaten wirksam? Die Immunstimulierung im Alter von drei Monaten ist diskutabel. Laut Fachliteratur kann sie Probleme mit einer rezidivierenden Rhinopharyngitis mildern, was sekundär zu weniger rezidivierenden Ohrenentzündungen führt. Die Wirksamkeit einer solcher Behandlung ist aber nicht eindeutig nachgewiesen.

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Risikofaktoren:
- Gruppenleben
– Passivrauch
– Flasche (Schoppen) in Liegeposition
– Refluxprobleme (Magen/Ösophagus)
– Missbildung im HNO-Bereich
– Erkältete Familienangehörige

Wie man dem Baby Linderung verschaffen kann
– abschellende Nasentropfen 3 Mal pro Tag während 5 bis 7 Tagen
– regelmässige Gabe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Mitteln
– Temperatur im Kinderzimmer bei 18-19 Grad halten

Text: Bianca Esposito - Illustration : Keiko Morimoto