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Weil die künstliche Fortpflanzung manchmal einfacher ist, als den richtigen Mann fürs Leben zu finden, entscheiden sich immer mehr Frauen für eine Solo-Mutterschaft. In ihrem Buch setzt sich Guillemette Faure mit diesem sozialen Phänomen auseinander, das noch immer als Tabu gilt.


Die Journalistin Guillemette lebt seit zwölf Jahren in New York. Sie arbeitet leidenschaftlich gerne in ihrem Beruf, lebt gut und dachte immer, dass «ein Ehemann und Kinder irgendwann ganz von allein kommen». Doch seit ihrem 37. Geburtstag geht ihr ein bestimmter Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. «Eines Tages erzählte man mir von einer Freundin, die nach Einsetzen einer verfrühten Menopause mit 38 Jahren zuerst eine, dann noch eine Eizellenspende erhielt – und das alles nach einer vorangegangenen Fruchtbarkeitsbehandlung, weil sie zu lange gewartet hatte. Ich wurde ganz panisch bei dem Gedanken, dass mir für ein eigenes Baby quasi die Zeit weglief und sich meine Fruchtbarkeit auf dem absteigenden Ast befand.» Guillemettes Entschluss stand damit fest, denn ihr war klar geworden, dass sie «lieber ein Kind ohne Mann als einen Mann ohne Kind» haben wollte.

Damit beginnt ihr erstaunliches Buch, in dem sie ohne Komplex und Pathos über ihre Solo-Schwangerschaft berichtet. Bei ihrer Suche nach dem Gral, also einer erfolgreichen Befruchtung, zieht die Mittdreissigerin mit durchaus bissigem Humor alle Möglichkeiten in Betracht: die «biologische» Methode mit einer sexuellen Beziehung, die Besamung, die In-vitro- Fertilisation, die Eizellenspende, die Leihmutter und schliesslich die Adoption.

Alleinstehende Mütter
Um sich möglichst viele Informationen zu beschaffen, tritt Guillemette zunächst der Vereinigung SMC, Single Mother By Choice, bei. Dort tauschen «bewusst ledig gebliebene Mütter» zwischen 36 und 42 Jahren Tipps und Kniffe zur Fortpflanzung «ohne Papa» aus. Ihr Profil? Ganz «normale» Frauen, also weder «Loserinnen», noch «sozial nicht anpassungsfähige Neurotikerinnen».

Sie haben vielmehr ein wenig den Zug verpasst und einfach nicht den richtigen Typen zur richtigen Zeit getroffen. Und die biologische Uhr läutet bei den SMCs ständig Alarm. In ihren Reihen finden sich die sogenannten «thinkers», also die, die sich mit dem Gedanken tragen, und die «tryers», das sind die, die es versuchen, bereits schwanger oder gar Mutter sind. Fest steht jedoch, dass es sich bei diesen Produkten der postfeministischen Generation keineswegs um Amazonen handelt, die von einer Welt ohne Männer träumen… im Gegenteil. «Wenn man diesen Schritt geht, sagt man sich, dass Mr. Right (der «Richtige») durchaus noch irgendwann auftauchen kann. Und man dann immer noch eine richtige Familie mit allem Drum und Dran gründen kann – wobei man sich um die Nachkommenschaft schon gekümmert hat.»

Ein Baby auf die alte Art
Die erste Möglichkeit zur Fortpflanzung: der «traditionelle» Geschlechtsakt mit einem «Known Donor» (KD, d.h. ein bekannter Spender). In diesem Stadium klappert Madame den Junggesellenmarkt ab: der alte Kumpel, der Ex, der homosexuelle Freund, Jim aus dem Fitness- Studio... gibt es darunter vielleicht einen, der zum Papa taugen würde? «Der Prozess, alleine ein Kind zu haben, beginnt damit. Es ist ein erster psychologischer Schritt, ein Weg, um sich mit dem Gedanken vertraut zu machen und sich die entscheidenden Fragen zu stellen.» Doch nur selten kommt von den ausgewählten Erzeugern eine Zusage. Den werdenden Müttern in spe wird dann häufig der pragmatische Ratschlag erteilt, «sich mal intensiv im Club Med umzuschauen». Guillemette hingegen plädiert für den ehrlichen Weg: wenn man einen Spender sucht, dann muss man die Option Ware gegen Geld akzeptieren… und in die Samenbank gehen.

Erzeuger-Supermarkt
In den USA scheint eine Besamung effektiv leichter zu sein, als den Mann fürs Leben zu finden. Keine psychologische Prüfung, kein Gespräch – das Ganze ist genauso einfach wie ein Koitus. Man gibt einfach 350 Franken für sein Päckchen (mit tiefgefrorenem Sperma) aus. Dabei überkommt Guillemette ein wenig Selbstmitleid: «Man bedauert dann schon die vielen Gratisspenden, die man zur Hand hatte…».

Dennoch bleibt die Spenderwahl ein schwieriges und durchaus ergreifendes Unterfangen. «Da das Kind keinen Vater haben wird, tut man natürlich alles, um den optimalen Spender zu finden – nicht zuletzt auch, um die eigenen Schuldgefühle zu unterdrücken. Ich achtete also besonders auf die physische Ähnlichkeit, die dem Kind später Fragen nach seiner Herkunft ersparen sollte.» Je nach Samenbank finden die Antragstellerinnen umfangreiche Bewerbungsdossiers vor: Augenfarbe, kompletter Lebenslauf mit Zeugnissen, Hobbys, Gesundheitszustand und erbliche Vorbelastung.«Ein regelrechter 3 Suisses- Katalog der Samenspender. Man kennt alles von ihm – ausser seinen Namen, sein Gesicht und seine Telefonnummer»!

Guillemette fühlt sich dabei aber nicht wohl und wähnt sich ganz nahe an der Eugenik. «Es besteht die Gefahr, dass die zukünftigen Mütter die Illusion haben, sich entsprechend dem Profil einen Ehemann aus dem Katalog auswählen zu können.» Guillemette hat ihr Auge schliesslich auf den Samen eines Spenders geworfen, der zugibt, Joints zu rauchen – für sie ein Beweis seiner Ehrlichkeit. Als dann der Tag ihres Eisprungs gekommen ist, programmiert sie die Besamung. In nur 15 Minuten setzt ihr die Krankenschwester die «kleinen Pferdchen» mit einer Spritze in die Gebärmutter ein – das war’s dann auch schon. Nur noch die Hose hochziehen und sich auf das Rad schwingen, um wieder zur Arbeit zu fahren.

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Un bébé toute seule, Guillemette Faure, éd. Flammarion, http://guillemette.typepad.com


Illustrationen : Keiko Morimoto