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Die Blicke der anderen
Auf ihrem langen Weg auf der Suche nach
einer Schwangerschaft ist die Junggesellin
den Kommentaren der anderen ausgesetzt:
«Man bezeichnete mich als unverantwortlich
und egoistisch. Natürlich ist es teilweise auch
Egoismus, für sich alleine zu entscheiden, dass
das Verlangen nach einem Kind stärker ist als
das, ein Kind im Rahmen einer Partnerschaft
zu bekommen. Aber: machen Paare ihre Babys
denn nur aus altruistischen Beweggründen
oder um die Welt zu retten? Jeder bekommt
seine Kinder für sich, um glücklich zu sein und
sie glücklich zu machen».
Zur Absicherung besserer Bildungschancen
des künftigen Nachwuchses bringt
Guillemette Opfer, sie nimmt eine weniger
turbulente Arbeitsstelle an und kehrt nach
Frankreich zurück. Dort angekommen, ist sie
von den unterschiedlichen Reaktionen ihrer
Umgebung total überrascht. «Man will es den
Eltern schonend beibringen, dabei schockt eine
Solo-Schwangerschaft die Jüngeren eigentlich
viel mehr. Die haben nämlich eine absolute Vision
vom Paar, von Liebe und von der idealen
Familie. Die Älteren hingegen haben mehr
Verständnis, denn auch sie mussten in ihrem
Leben Kompromisse eingehen.»
Adoption als Alternative?
Nach unendlich langen Monaten, zwölf Besamungen
und genauso vielen negativen Schwangerschaftstests
zweifelt Guillemette langsam an
ihrer Fruchtbarkeit… und entscheidet sich für
eine In-Vitro-Befruchtung (IVF). Da die künstliche
Befruchtung in Frankreich (wie in der
Schweiz) heterosexuellen Paaren vorbehalten
bleibt, schliesst sie sich dem Befruchtungstourismus
nach Belgien an, einem der Länder, in
dem die IVF auch für Alleinstehende zugelassen
ist. Doch auch hier bleibt der Bauch flach. Gesamtkosten
ihrer Fortpflanzungsbemühungen:
14 000 Franken. Doch Guillemette gibt nicht
auf und denkt jetzt an Adoption. «Die Adoption
durch eine alleinstehende Mutter scheint besser
akzeptiert zu sein als die Solo-Empfängnis.
So, als würde man zwei Fusskranke des Lebens
vereinen. Doch auch hier scheint die öffentliche
Meinung völlig veraltet, die Adoption wird
als Akt der Humanität gesehen. Und dennoch
gibt es viermal mehr adoptionswillige Eltern als
Waisen auf der Welt.»
Heute ist Guillemette 41 Jahre alt. Sie hat
im Januar einen positiven Bescheid hinsichtlich
einer Adoption erhalten, das Verfahren läuft
noch. «Ich bedauere lediglich, dass ich mich
nicht früher darum bemüht habe. Wenn man
sicher ist, dass man kein Leben ohne Kind
möchte, dann hilft es nicht, ewig auf den idealen
Partner zu warten. Denn wenn es um alles oder
nichts geht, dann überwiegt leider die Chance
auf ein „ nichts”».
Un bébé toute seule, Guillemette Faure, éd. Flammarion,
http://guillemette.typepad.com
Illustration : Keiko Morimoto
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