Alles Bio oder was?

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Sarah Nussbaumer ist Ernährungsberaterin und hat mehrere Jahre lang am Universitätsspital Zürich gearbeitet, bevor sie zu einem im Bereich der Ernährung tätigen Konzern gewechselt hat. Nun berät sie Mediziner in Fragen der Ernährung von Kleinkindern. Und sie weiss wovon sie spricht, schliesslich hat sie selber zwei Kinder im Alter von 1 und 4 Jahren. Sie ist der Meinung, dass Bio-Lebensmittel nicht unbedingt gesünder sind, sondern dass diese eher zu einem Lifestyle gehören. In qualitativer Hinsicht gibt es S nämlich nur wenige Unterschiede zwischen der traditionellen und der biologischen Landwirtschaft. Jedenfalls ist das das Fazit aktueller Studien, die natürlich mit Vorsicht zu geniessen sind, da sie von der Industrie finanziert wurden (was auch auf viele andere Studien in diesem Bereich zutrifft). Laut Sarah Nussbaumer kommt es vor allem darauf an, lokal zu essen. Schliesslich muss Bio-Gemüse, das Tausende Kilometer entfernt erzeugt wurde, beim Transport wie konventionell erzeugtes Gemüse chemische Behandlungen über sich ergehen lassen. Dennoch sei an dieser Stelle angemerkt, dass Bio-Lebensmittel weniger potenziell kanzerogene Pestizide und Phthalate enthalten. Ein klarer Pluspunkt für Bio-Produkte, insbesondere wenn das Mami selber den Kochlöffel schwingt.

Bio-Gläschen?  Muss nicht sein!

Wenn man Gläschen oder andere Formen der Baby- und Kleinkind - nahrung kauft, ist es gemäss Sarah Nussbaumer nicht entscheidend, ob ein Bio-Siegel darauf zu finden ist. Dies bestätigt auch die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Babynahrung wird strengsten Kontrollen unterzogen. Je nach Marke können mehr als 250 Aspekte überprüft werden! Dies gewährleistet, dass diese Lebensmittel keinerlei Gefahr darstellen, zumal sie keine Zusatzstoffe enthalten, für Abwechslung sorgen und Ernährungsbedürfnisse befriedigen. Bio-Label erfordern nicht so viele Kontrollen, entsprechen aber einer gewissen Anzahl an ethischen Kriterien, die keinen Einfluss auf die Qualität oder den Geschmack der Lebensmittel haben. Sarah Nussbaumer betont, dass die Ernährung in erster Linie ausgewogen sein sollte. Es geht dabei um eine abwechslungsreiche Kost, wobei die einzelnen Komponenten nach und nach eingeführt werden, damit sich das Baby an die einzelnen Lebens - mittel gewöhnen kann. Ausserdem kann man so besser erkennen, ob eventuell eine Allergie vorliegt. Ab 6 Monaten kann das Kleine von allem – ein bisschen natürlich – probieren. Nicht zu vergessen: Bei der Zubereitung der Babynahrung sollte man die möglichst schonende Methode wählen, damit so viele Vitamine und andere Nährstoffe wie möglich erhalten bleiben.

Und die Allergien?

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Ob man sich von biologischen oder einfach lokal erzeugten Produkten ernährt, spielt für die Entstehung von Allergien nicht die geringste Rolle! Nur 5 Prozent der Kinder leiden an Lebensmittelallergien. Kinder unter einem Jahr sind vor allem auf Eier, Erdnüsse, Kuhmilch und Fisch allergisch. Wenn ein Kind eine genetische Prädisposition für Allergien hat, sollte es bis zum Alter von 6 Monaten ausschliesslich von Muttermilch ernährt werden. Ist das nicht möglich, empfiehlt Sarah Nussbaumer hypoallergene Säuglingsmilch, deren Eigenschaften fast identisch mit jenen der Muttermilch sind. Zudem sollte man im ersten Lebensjahr insbesondere auf das Risiko der Glutenunverträglichkeit achten. Falls es bereits Familienangehörige mit Glutenunverträglichkeit gibt, wird empfohlen, dass man glutenhaltige Lebensmittel noch während der Stillzeit einführt, da dies das Risiko der Entstehung der Unverträglichkeit, die wissenschaftlich Zöliakie genannt wird, senkt. Lebensmittel, die für ihr allergenes Potenzial bekannt sind, sollten einzeln und in kleinen Dosen eingeführt werden. So kann man am besten sehen, wie das Kind darauf reagiert. Während früher seitens einiger Experten von diesem Test vor dem Erreichen des zweiten Lebensjahres abgeraten wurde, geht aus neueren Studien hervor, dass die Einführung neuer Lebensmittel bereits ab 6 Monaten erfolgen kann, und zwar ohne dass sich daraus ein gesundheitliches Risiko ergibt. 

Bei diesen Lebensmitteln ist Vorsicht angesagt

Diese 10 Lebensmittel sind für 90 Prozent der Lebensmittelallergien zuständig.

  • Ei: Es handelt sich dabei um das häufigste Allergen bei Kindern (31 Prozent der Allergiefälle bei Kindern vs. etwas mehr als 1 Prozent bei Erwachsenen). Die kritische Periode ist dabei die Zeit zwischen 9 und 15 Monaten. Die ersten Anzeichen für diese Art der Allergie können nach dem Verzehr von Eiern oder auch nach dem blossen Kontakt mit ihnen erfolgen. Dazu gehören Hautprobleme (Ekzeme, Nesselsucht), Verdauungsstörungen (Erbrechen, Durchfall), Atemstörungen (Asthma). Die gute Nachricht ist, dass diese Allergie in den meisten Fällen von selbst im Alter zwischen 4 und 7 Jahren ausheilt. Kuhmilch: Oft werden auch Kreuzallergien mit Schafs- und Ziegenmilch beobachtet.
  • Weizen: Weizenallergie sollte nicht mit der häufiger vorkommenden Glutenunverträglichkeit verwechselt werden. Erdnüsse Dabei handelt es sich um eines der gefährlichsten Allergene, auf das immer mehr Menschen, und zwar Kinder wie Erwachsene, reagieren. Schalenobst: Baumnüsse, Haselnüsse, Mandeln … Soja, Linsen und Erbsen: Soja wird als Sojalecithin übrigens oft in Fertiggerichten eingesetzt.
  • Fisch: Diese Allergie betrifft zahlreiche Arten. Also Vorsicht!
  • Meeresfrüchte 

Allergie oder Unverträglichkeit?

Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten liegen unterschiedliche Mechanismen zugrunde. Während die Symptome durchaus ähnlich sein können, stellen Unverträglichkeiten kurzfristig keine Lebensgefahr dar. Die zwei häufigsten Arten der Lebensmittelunverträglichkeit betreffen Laktose und Gluten.

  • Laktoseintoleranz entsteht, wenn der Körper nicht über ausreichende Mengen des Enzyms Laktase verfügt, um Laktose (Milchzucker) richtig zu verdauen. Nimmt ein Betroffener Milch oder Michprodukte zu sich, kommt es zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Bei jungen Kindern ist Laktoseintoleranz selten. Ab 5 Jahren nimmt ihre Häufigkeit zu.
  • Bei der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die teilweise genetisch bedingt ist. Der Verzehr von Gluten (das in Getreide wie Weizen, Roggen und Dinkel vorkommt) führt zur Bildung von Antikörpern, die sich auf die Darmwand auswirken. Dadurch können bestimmte Nährstoffe (Vitamine, Eisen, Calcium usw.) schlechter aufgenommen werden. Es kommt zu Mangelzuständen mit bisweilen schwerwiegenden Folgen. Betroffene müssen eine strenge glutenfreie Diät einhalten, und zwar lebenslang. Diese Unverträglichkeit wird oft zwischen 6 Monaten und 2 Jahren diagnostiziert, nachdem ein glutenhaltiges Lebensmittel eingeführt wurde. Beim Vorliegen eines genetischen Risikos in der Familie empfiehlt Sarah Nussbaumer, das Kind zu stillen und glutenhaltige Produkte noch in der Stillzeit einzuführen, da Studien zufolge das Risiko für die Entstehung einer Glutenunverträglichkeit so gesenkt werden kann. 
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