Babykosmetika

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Im Gegensatz zu Medikamenten müssen Kosmetika nicht erst zugelassen werden, bevor sie in den Handel kommen. Der Hersteller handelt einfach eigenverantwortlich! In der Schweiz gibt es zudem kein Gesetz, das die Hersteller dazu verpflichtet, die Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufzuführen. Wie soll man sich nur in diesem Dschungel aus oftmals unverständlichen Etiketten zurechtfinden? Sind biologische Artikel oder Produkte, die in Apotheken verkauft werden, besser? Oder sollte man ausschliesslich auf pflanzliche Pflegeartikel setzen? Die Lausanner Dermatologin Dr. Stéphanie Liardet klärt uns auf. 

Weniger ist mehr  

Babyhaut ist sehr sensibel und anfällig. Zudem ist sie überaus durchlässig für Chemikalien. Daher ist es besser, wenn man sie eher in Ruhe lässt und nicht zu viele Pflegeprodukte anwendet. «Je mehr potenzielle Allergene man verwendet, desto höher ist das Risiko für die Entstehung einer Allergie», erklärt Dr. Liardet. Man sollte also lieber versuchen, ein geeignetes Produkt zu finden und dabei bleiben. Zudem führt übermässige Hygiene zur Austrocknung und Reizung der Haut. «Tägliches Baden ist nicht erforderlich», ergänzt sie. «Ein Bad alle zwei oder drei Tage reicht, vor allem bei empfindlicher Haut. Zum Abtrocknen sollte man die Haut gut abtupfen. Dies gilt vor allem für die Falten, in denen sich Ekzeme und Reizungen bevorzugt entwickeln». Und da das Baby wenig Haare hat, sollte man von der Verwendung von Shampoos gänzlich absehen.

Die Qual der Wahl

Auf jeden Fall «sollte man Produkte wählen, die speziell für Kinder entwickelt wurden und nach Möglichkeit hypoallergen sind. Eine rückfettende Seife, eine Waschlotion und eine Feuchtigkeitscreme reichen völlig aus. Besonders regelmässig sollte man dabei die Creme auftragen. Neigt das Kind nicht zu Allergien, eignen sich Produkte aus dem Supermarkt sehr gut», führt die Spezialistin weiter aus. Zudem empfiehlt sie es, den Windelbereich einfach mit Wasser zu reinigen und anschliessend eine Zinksalbe aufzutragen. Man kann auch ein Liniment aus Olivenöl und Kalkwasser verwenden. Dieses ist in Apotheken erhältlich, kann aber auch eigenhändig hergestellt werden. Vor allem sollte man aber die reizenden Feuchttücher auslassen. Wirklich vermeiden kann man Allergien jedoch nicht. Schliesslich ist laut Stéphanie Liardet jeder Dritte allergisch, wobei so gut wie alles eine Allergie auslösen kann.  

Bio oder hausgemacht?

Bio-Kosmetika für Babys? Warum nicht! Schliesslich liegen sie nicht nur im Trend, sondern warten garantiert auch nicht mit diversen risikobehafteten Stoffen auf. In dieser Hinsicht ist Ecocert das verlässlichste Label. Aber auch die Verwendung von Bio- oder Apotheken- Produkten kann der Entstehung von Allergien nicht vorbeugen. Einige Eltern wollen da keinerlei Risiken eingehen und stellen natürliche Kosmetika selber her. Entsprechende Anleitungen kann man zahlreichen Büchern und Blogs entnehmen. Die grüne Kosmetik hat eine vielversprechende Zukunft vor sich. Jedoch sollte man berücksichtigen, dass Pflanzen (z.B. Avocado oder Rose) oftmals wesentlich allergener sind als die besser kontrollierten chemischen Moleküle, betont die Ärztin. Solange das Baby also keine Hautreaktionen zeigt, sollte man sich entspannen und dem verwendeten Produkt treu bleiben. Achten Sie vor allem auf die Liste der Ingredienzien. 

Vorsicht bei diesen Chemikalien

Parabene:

Diese Konservierungsstoffe überwinden die Hautbarriere. In der EU war sogar die Rede von einem Verbot. So stehen parabenfreie Produkte derzeit hoch im Kurs. Die Konservierungsstoffe, die an ihrer Stelle zur Anwendung kommen sind nicht unbedingt sicherer und weniger allergieauslösend als die in der Regel gut verträglichen Parabene. Im Zweifelsfall sollte man sich für Produkte entscheiden, die keine Konservierungsstoffe enthalten.

Phthalate:

Diese Moleküle dienen oft als Trägersubstanz für Duftstoffe und werden bezichtigt, sich auf das Hormonsystem auszuwirken. 26 von ihnen sind als Allergene anerkannt. Sollte man also eher essenzielle Öle verwenden? Nein, schliesslich können auch sie Allergien auslösen. Am besten entscheidet man sich einfach für «parfümfreie» Produkte!

Campher, Eucalyptol und Menthol:

Diese essenziellen Öle sollen krampfauslösend sein. So sollen sie zum Beispiel in Frankreich nicht in Kosmetika für Kinder unter 3 Jahren eingesetzt werden.

Schlaue Tipps

• Ein Hoch auf Dispenser! Sie sind hygienischer, da sie den Kontakt des Produktes mit Luft, Licht und Mikroben reduzieren. Somit müssen auch weniger Konservierungsstoffe eingesetzt werden.

• Verzichten Sie auf Feuchttücher (ausser vielleicht unterwegs), schliesslich sind sie mit Duftstoffen und Konservierungsstoffen, die ihren Feuchtigkeitsgehalt aufrechterhalten, durchtränkt.

• Tabu sind auch Waschhandschuhe, Schwämme und sonstige Bakteriennester. Die Hände reichen zum Reinigen völlig aus.

• Verwenden Sie einfache Formeln. Je kürzer die Liste der Inhaltsstoffe ist, desto weniger synthetische Chemikalien sind im Produkt enthalten.

• Achten Sie auf die Dosierung • Babys brauchen keine Parfüms: Und wer wirklich nicht darauf verzichten kann, sollte alkoholfreies Duftwasser verwenden!

• Setzen Sie das Baby nach Möglichkeit nicht der Sonnenstrahlung aus. Dr. Liardet empfiehlt Sonnencremen mit mineralischen (und nicht chemischen) UV-Filtern.

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