Bäuerchen und Aufstossen: viel Luft um Nichts?

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Man kennt dieses Bild: Eltern tragen das Baby auf dem Arm und warten, bis es sein Bäuerchen gemacht hat. Wenn es dann soweit ist, wird der kleine Engel gelobt, was das Zeug hält. Wenn dabei ein wenig Milch hochkommt, wird diese mit einem Tuch abgewischt. Anschliessend schläft das Baby unter dem entzückten  Blick der Erwachsenen zufrieden ein. Doch was steht dahinter? Und was, wenn das Unterfangen nicht nach Plan läuft? 

Ein Phänomen mit multiplen Ursachen

Das Bäuerchen ist zunächst einmal etwas völlig Natürliches, was allerdings nicht systematisch auftreten muss. Einige Babys stossen regelmässig laut auf, andere begnügen sich mit einem diskreten Görps nach der Mahlzeit, während es Babys gibt, die nur ab und an ein Bäuerchen machen. Und die Ursachen? Deren gibt es viele. Eine potenzielle Ursache ist die Ernährungsweise. Ein Baby, das gestillt wird, stösst anders auf als ein Baby, das die Flasche bekommt. «Es handelt sich um ein sehr vielseitiges Phänomen», bestätigt die Kinderkrankenschwester Yaël Duchunstang. «Einige Babys stossen mehrmals pro Mahlzeit auf, andere nur einmal am Ende. Es stimmt aber, dass Stillbabys weniger aufstossen, weil sie weniger Luft schlucken.» In der Tat ist die Brust anatomisch besser auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt als der beste Schoppen. Sie passt sich ideal dem Mund des Säuglings an und lässt die Milch gleichmässiger herausfliessen, als dies bei einer Flasche der Fall ist, deren Durchflussgeschwindigkeit von der Öffnung des Saugers abhängt. Als Faustregel gilt: Je mehr sich das Kind anstrengen muss, um an seine Milch zu kommen, desto mehr Luft verschluckt es. Gleiches gilt, wenn es schlecht positioniert ist, zu schnell oder zu gierig trinkt. Ein weiteres Problem ist in der falschen Neigung des Schoppens zu suchen. Zudem wird bei der Verdauung auf natürliche Art und Weise Gas erzeugt.

Und das Aufstossen?

Auch das Aufstossen ist bei den Kleinen keine Seltenheit. Dabei wird etwas halbverdaute Milch und Speichel ausgespuckt. Die Ursache liegt in der ausschliesslich flüssigen Nahrung, der Tatsache, dass die Babys meistens liegen und auch in der Unreife ihres Verdauungssystems. «Der Muskelring (die sogenannte Cardia), der das Hochsteigen des Nahrungsbreis aus dem Magen in die Speiseröhre und in den Mund verhindert, funktioniert noch nicht vollständig», erklärt Yaël Duchunstang. Aufstossen kommt in den ersten Lebensmonaten häufig – und zwar meistens zusammen mit dem Bäuerchen – vor, wobei die Häufigkeit und Ausprägung von Kind zu Kind variieren kann. Aber auch wenn das Baby viel spuckt, besteht kein Grund zur Sorge. «Das Aufstossen ist nicht schmerzhaft », beruhigt die Krankenschwester und betont, dass das Aufstossen vom Sodbrennen (gastroösophagealer Reflux)* unterschieden werden muss und dass dieses Phänomen sich mit der Zeit von selbst legt. «Im Alter zwischen 9 Monaten und 1 Jahr, sobald das Kind anfängt, feste Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, zu sitzen und zu stehen, tritt es nicht mehr auf.» Sie empfiehlt es, das Baby nach dem Spucken entweder sitzend auf dem Arm zu halten oder – falls man es hinlegen muss – darauf zu achten, dass «der Babysitz um 30 Grad geneigt ist bzw. die Kopfpartie des Bettchens leicht angehoben ist.» Zudem sollte man das Baby beim Stillen oder Füttern nicht zu flach halten, wodurch es auch weniger Bäuerchen machen wird.   

*Falls Sie befürchten, dass Ihr Baby an Sodbrennen leidet, sollten Sie einen Arzt konsultieren.  

Praktische Tipps

Achten Sie drauf, dass das Baby die Brustwarze bzw. den Sauger des Schoppens richtig umfasst. Der Sauger muss übrigens auf das Alter des Kindes abgestimmt sein und einen komfortablen Milchdurchfluss gewährleisten. Ein Tipp: Halten Sie den Schoppen im Winkel von 45 Grad. Wenn Sie im Schoppen Bläschen sehen, heisst das, dass die Luft aufsteigt und nicht von Ihrem Kind verschluckt wird. Falls Ihr Kleines zu gierig ist, sollten Sie beim Stillen oder Füttern kleine Pausen einlegen, um sicherzustellen, dass es ruhiger trinkt. Ausserdem kann es in dieser Pause das eine oder andere Bäuerchen machen, das gewiss nicht lange auf sich warten lassen wird. Falls das Baby aufhört zu trinken, sich windet, Grimassen schneidet oder sogar zu weinen beginnt, kann es ebenfalls sein, dass ein Bäuerchen im Anmarsch ist. Um dem Kleinen zu helfen, sollten Sie es «in die vertikale Position bringen, seinen Kopf an Ihre Schulter legen und sanft seinen Rücken streicheln », erklärt Yaël Duchunstang. «Sie können dem Baby auch leicht auf den Rücken klopfen, falls das Bäuerchen nicht von selbst kommt.» Falls es dennoch nicht klappt, empfiehlt die Krankenschwester den «Fliegergriff». Dabei legt man das Baby mit dem Bauch auf den Arm, sodass der Kopf höher als die Füsse positioniert ist. Und machen Sie sich keine Sorgen, wenn nichts passiert. Vielleicht muss Ihr Kleines einfach kein Bäuerchen machen. Oder noch nicht. Platzieren Sie das Baby leicht geneigt und lassen Sie es seine Mahlzeit in aller Ruhe verdauen. Das Bäuerchen kommt – falls überhaupt – ganz von selbst und Ihr Baby wird es Sie wissen lassen, wenn es Ihre Hilfe braucht.

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