Abonnemente - babymag.ch

deco chambre eva

Eine Hütte im Zimmer

2 in 1 – so lautete die Aufgabe für den Papa und Architekten, der zwei Kinder in einem Zimmer unterbringen sollte. Er entwickelte ein Möbel, das gleichzeitig als Bett, Trennwand und Schreibtisch dient. Eine Projektbeschreibung.

Man gebe ihm ein kleines Zimmer, mit dem Sie selbst nichts anzufangen wissen, weil Ihnen dessen räumliche Aufteilung allzu kompliziert erscheint – und Sie bekommen jede Menge Pläne, Schlupfwinkel und Ansichten für einen Raum zurück, der vor Überraschungen nur so strotzt. Jean-Jacques Hubert, Architekt und Gründer des Büros H20, hatte bereits einige Erfahrungen mit der- artigen Projekten gesammelt, als es darum ging, ein altes Gartenhäuschen zu renovieren; die äussere Form wurde beibehalten, während die Innenausstattung optimiert wurde. So ver-wandelte er einen unansehnlichen Schuppen in einer Ecke seines Grundstücks in ein nettes Wohnobjekt, zugegebenermassen ziemlich winzig, dafür aber aufgrund der gelungenen Aufteilung ungeheuer funktionell. Bei der Gestaltung dieses Kinderzimmers ging er von derselben Überlegung aus. Wie kann man zwei Kinder im Alter von 5 und 1 in einem 11,54 m2 grossen Zimmer unterbringen … mit Betten, Schreibtischen, Schränken und Spielzeug- und Bücherkisten … ?

Ein bewohnbares Möbel

Der erste Gedanke war das klassische, aber platzraubende Etagenbett. Mangels besserer Ideen machte sich der Papa und Architekt daran, selbst ein Möbel zu entwerfen. Es handelt sich um einen Block, der sich an die Bedürfnisse anpasst, eine Mikro-Architektur aus MDF-Platten, die ein wenig an ein Baumhaus erinnert : das Bett ist aufgehängt, der Sockel wird zur Bank, alle tragenden Elemente weisen praktische Nischen auf, der Raum lässt sich mit einer Schiebetür abtrennen, wenn die Grosse sich in ihren privaten Bereich zurückziehen möchte. Es ist eine regelrechte Kinderhütte … mit der logischen Folge, dass die Eltern nur noch mit Mühe selbst hineinkommen. Dieses Einrichtungsstück nimmt den kindlichen Spieltrieb auf, bietet kleine « Laufwege », fördert dadurch gleichzeitig die Wendigkeit, Motorik und Beweglichkeit der Kinder und eröffnet dabei ganz neue Perspektiven : das gilt beispielsweise für den Schreibtisch, der ins Zimmer weist, anstatt sich gegen eine dunkle Wand zu drücken. Aus ihrem erhöhten Bett heraus kann Eva nicht nur durch die eingebaute Luke jederzeit ein Auge auf ihren kleinen Bruder werfen, sondern sich wie eine Prinzessin auf ihrer Burg fühlen. « Teile und herrsche », sagte schon Cäsar. Im vorliegenden Fall müsste man diesen Sinnspruch wohl eher in « Teile und teile auf » abwandeln – denn die jetzige Raumaufteilung wird spätestens dann zu überdenken sein, wenn der Kleine grösser wird.

deco chambre

deco chambre eva
deco




Text : Maxime Pégatoquet – Fotos : Stéphane Chalmeau

Weitere Infos auf www.h20architectes.com