Warum fliegt alles auf den Boden?

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Ein Kind zwischen 18 Monaten und 3 Jahren wirft so einiges auf den Boden. Dieses Verhalten ist völlig normal. Dennoch... das Parkett ist darüber weniger erfreut. Wie könnte man also diesen Drang eindämmen, ohne das Kind in seiner Entwicklung zu bremsen? Einige Ideen.

Eine absolut alltägliche Szene mit einem 2-jährigen Kind: Das Mami gibt ihm ein Spielzeug, das sofort auf den Boden fliegt. Das Kind soll es aufheben, macht es aber nicht. Auch nicht nach erneuter Aufforderung. Das Kleine versteht es partout nicht. Nun sagt die Mutter «Das ist schlecht, du bist böse, das macht man nicht.» Das Kind weint. Die Mutter hebt den Gegenstand auf, gibt ihn dem Kind, – und postwendend fliegt das Ding wieder.

Warum nur?

Macht sich das Kind etwa über seine Mutter lustig? Ist es unhöflich, schlecht erzogen, gar bösartig? Nein, ein 2-Jähriger kann dies alles nicht sein. Aber warum? Warum um alles in der Welt schmeisst es Spielsachen, Essen, Schuhe, Bücher etc. auf den Boden? Geht es darum, die Schwerkraft auf die Probe zu stellen? Oder seine Mitmenschen zu ärgern? Möchte es einfach sehen, was passiert? Vielleicht ist es einfach lustig? Oder gar als Zeichen des Protests gegen die Konsumgesellschaft zu verstehen?

Amerikanische Forscher erklären dieses Verhalten dadurch, dass Kleinkinder so die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung ergründen. Wenn ein Kind etwas zu Boden wirft, handelt es als eine Art Newton im Strampelanzug: Es will hören, welches Geräusch ein auf den Kachelboden geworfener Löffel erzeugt oder auch eine Frühstücksflocke, die ganz sanft fallen gelassen wird. Eine Plastikpistole fällt mit einem lauten Knall zu Boden, eine Nudel dagegen nicht. Jedes Geräusch, jede Wirkung ist für das Kind unterschiedlich und dadurch lustig. Die Ursache «ich werfe» zieht eine Folge, nämlich «das Geräusch» nach sich, die Spass macht und dazu beiträgt, dass das Kind etwas über die Welt lernt.

Eine weitere Erklärung stützt sich darauf, dass Kinder dieses Alters noch keine ausreichende Selbstkontrolle haben, um ihre Handlungen zu begrenzen, da ihr Gehirn noch nicht ausreichend gereift ist, um dieses Begrenzungen fassen zu können. Das geht erst ab einem Alter von 3 Jahren.

In jedem Fall ist ein mit Sachen um sich werfendes Kind zwischen 18 Monaten und 3 Jahren kein aufmüpfiger Lausbub!

Lösungsansätze

Die Erkundung der Welt ist gewiss Grenzen unterworfen, die von den Eltern vorgegeben werden. Ok, das Kind will hören, welchen Lärm ein auf den Küchenboden geworfener Plastikteller macht – Sie aber nicht. Will das Kind dennoch werfen? Kein Problem! Bieten Sie ihm einen Ball an, den es so viel werfen darf, wie es will, allerdings draussen. Und auf keinen Fall dürfen Teller mit Nudeln vom Hochstuhl auf den Boden befördert werden. Sagen Sie Ihrem Kind: «Wenn du Sachen werfen möchtest, darfst du das gern. Wir gehen raus, ich gebe dir einen Ball. Aber im Haus darf man nicht alles überall hinschmeissen.» Ein weiterer Trick besteht darin, dem Kind einen Eimer oder einen Korb zu geben, der extra dafür da ist, damit es Dinge reinwerfen kann.

Dabei sollte man auch erklären, was wurffähig ist und was nicht.

Tipps, um dem Kind zu einer besseren Selbstkontrolle zu verhelfen (und Ihnen gleich mit!)

1/ Verhaltensweisen erkennen: Sie sollten erkennen können, wann Ihr Kind aus Wut handelt oder wann es auf Erkundungsmission ist.

2/ Nichts persönlich nehmen: Lassen Sie sich nicht provozieren. Ein 2-jähriges Kind, das denselben Gegenstand immer wieder zu Boden wirft, will Sie nicht ärgern.

3/ Seien Sie ruhig und vertrauen Sie Ihrem Kind, wenn Sie ihm erklären, was erlaubt ist und was nicht.

4/ Kommunizieren Sie und geben Sie dem Kind Wahlmöglichkeiten: Wenn Sie Ihrem Kind erklären, was es werfen darf und was nicht, sollten Sie dies in einfacher und angemessener Sprache machen, zum Beispiel: «Die Männli sind zum Spielen da, nicht zum Werfen» oder «die grünen Bohnen sollte man essen und nicht damit werfen».

5/ Erklären Sie es dem Kind, wenn Sie ihm etwas wegnehmen: Falls es nicht auf Erklärungen reagiert, nehmen Sie ihm den Gegenstand weg und erläutern Sie dies: «Du wirfst immer noch mit den grünen Bohnen, also muss ich dir den Teller wegnehmen.» Es macht dagegen keinen Sinn, die Stimme zu erheben oder das Kind in die Ecke zu stellen.

6/ Lassen Sie das Kind reagieren: Falls die Tatsache, dass die dem Kind die Tatwaffe entzogen haben, dazu führt, dass es weint und sich ärgert, sollten Sie nicht eingreifen. Das Kind reagiert, zeigt seine Gefühle. Das ist normal.

7/ Sprechen Sie es später auf seine Reaktion an. Zum Beispiel: «Du hast dich geärgert, als ich dir deinen Teller/dein Spielzeug weggenommen habe. Das ist in Ordnung. Wenn du aber weiter mit Dingen um dich wirfst, werde ich sie dir wieder wegnehmen müssen und du wirst dich wieder ärgern. Also mache das nicht.»

8/ Sagen Sie Ihrem Kind, was es machen darf: Sagen Sie Ihrem Kind, wenn es etwas, zum Beispiel einen Ball oder einen Luftballon, werfen darf. So wird es auch die Verbote besser verstehen.

9/ Seien Sie geduldig: Das ist nur eine Phase (ja, ja, das ewige Mantra...). Mit 3 Jahren wird das Kind nichts mehr werfen und Sie werden sich mit einem Schmunzeln an diese Zeit erinnern!

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