Genuss ohne Risiken Nebenwirkungen

Genuss ohne Risiken Nebenwirkungen

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Ich muss in der 6. oder 7. Schwangerschaftswoche gewesen sein», erinnert sich Agnes. «Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit gönnte ich mir mein Leibgericht: Rum-Rosinen-Glace.» Kaum war die süsse Leckerei vertilgt, traf es die junge Bernerin wie ein Schlag: Rum! Im Glace muss Alkohol gewesen sein. «Ich brach in Panik aus», berichtet sie. Zuhause angekommen, durchstöberte Agnes das Internet, in der Hoffnung, beruhigende Informationen zu finden. «Ich war untröstlich», erzählt sie. «Wie konnte ich meinem Baby, das kaum 1 cm gross war, so etwas antun?» Sie durchsuchte etliche Internetforen und strich alles vom Speiseplan, was in irgendeiner Liste auftauchte. Adé Sushi, Rohmilchprodukte, Feinkostsalate, Salami ... selbst frische Himbeeren waren tabu. Diese lassen sich wegen ihrer Beschaffenheit nämlich kaum gründlich säubern. Und selbstverständlich nicht ein Tröpfchen Alkohol.

Gesunder Menschenverstand

Doch müssen solche radikalen Massnahmen wirklich ergriffen werden? «Nun ja, es kommt eher auf den gesunden Menschenverstand an», sagt die diplomierte Ernährungsberaterin Manuela Sarbach. «In erster Linie sollten Schwangere auf eine ausgewogene und vollwertige Ernährung achten. Ihr Kalorienbedarf ist um etwa 250 Kalorien pro Tag erhöht.» Allerdings sind die Abwehrkräfte von zukünftigen Mamis leicht herabgesetzt, was sie anfälliger für bestimmte Erkrankungen macht, die unter Umständen auf das Kind übergehen und zu – bisweilen schwerwiegenden – Komplikationen führen können. Natürlich ist auch bei Alkohol grösste Vorsicht geboten.

Lebensmittelhygiene: Wichtiger denn je zuvor

Die Experten sind sich einig, dass Schwangere Rohmilchprodukte sowie Produkte aus nicht durchgegartem Fleisch oder Fisch meiden sollten. Die Hauptursache dafür ist die bakterielle Infektionskrankheit Listeriose. «Die Erreger kommen so gut wie überall in der Umwelt vor, lösen aber erst ab einer bestimmten Konzentration die Erkrankung aus», erklärt Manuela Sarbach. «In den meisten Fällen verläuft diese harmlos, kann jedoch auf das ungeborene Baby übergehen und zu einer Fehlgeburt oder zu gesundheitlichen Problemen führen.» Als Faustregel gilt: Je früher die Infektion der Mutter erfolgt, desto unwahrscheinlicher ist die Ansteckung des Babys und desto ernster die Konsequenzen einer solchen. Bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft ist die Übertragung auf das Kind wahrscheinlicher, wobei die Folgen der Infektion weniger gravierend sind. Die Expertin betont: «Den besten Schutz bieten Verfahren wie Pasteurisation, Sterilisation, Abkochen oder auch – bei Gemüse und Früchten – gründliches Waschen.»

Eine weitere Gefahrenquelle stellt die parasitäre Erkrankung Toxoplasmose dar. Man geht davon aus, dass rund 50 % der Bevölkerung bereits Kontakt mit dem Erreger hatten und dadurch immun sind. «Problematisch wird es erst, wenn die Erstinfektion in der Schwangerschaft erfolgt», präzisiert Manuela Sarbach. «Auch hier gilt die weiter oben erwähnte Faustregel und auch hier drohen schlimmstenfalls Fehlgeburten und Behinderungen. Man kann übrigens per Bluttest feststellen, ob man bereits eine Toxoplasmose-Erkrankung durchgemacht hat oder nicht. Ist dies nicht der Fall, sollte man ebenfalls auf nicht ausreichend durchgegartes Fleisch verzichten und Früchte und Gemüse gründlich waschen.» Es gibt noch einen weiteren Grund, besonders auf Hygiene zu achten: Salmonellen. Diese Bakterien sind für den Fötus zwar nicht so gefährlich wie die Erreger von Listeriose oder Toxoplasmose, können aber bei den Schwangeren zu heftigen Verläufen der Salmonellose führen. «Diese ist nicht nur äusserst belastend, sondern kann aufgrund des massiven Verlustes an Flüssigkeit und Nährstoffen zu einer Gefahr für das ungeborene Kind werden», warnt die diplomierte Ernährungsberaterin.

Ohne Alkohol feiert es  sich eh am besten!

Last but not least: Alkohol. In den ersten drei Monaten ist er absolut tabu. Schon ein Glas Wein im falschen Moment kann fatale Folgen haben. Allerdings gehen die Meinungen hinsichtlich des – gewiss sehr geringen! – Alkoholkonsums im weiteren Verlauf der Schwangerschaft auseinander. Manuela Sarbach empfiehlt hier ein striktes Vorgehen: «Alkohol ist ein Genussmittel. In der Schwangerschaft kann und sollte man durchaus darauf verzichten.»

Bei all dem sollte man sich den Spass am Essen nicht verderben lassen und lieber einmal zu viel als zu wenig beim Frauenarzt oder Ernährungsberater nachfragen. Es empfiehlt sich auch, mehr selber zu kochen. Das ist nicht nur günstiger und gesünder, sondern verschafft uns auch die Möglichkeit, selber zu bestimmen, was auf den Teller kommt – und was nicht!  

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